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Auswertung des Armuts- und Reichtumsbericht 2025- Bedeutung für Rangsdorf

  • 20. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Der Siebte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (7. ARB) ist ein zentrales Instrument zur Analyse der sozialen Lage in Deutschland. Er wird einmal pro Legislaturperiode vorgelegt und untersucht auf rund 600 Seiten die Entwicklung von Armut, Einkommen und Vermögen. Ziel ist es, eine empirisch fundierte Grundlage für sozialpolitische Entscheidungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene bereitzustellen.

Im Mittelpunkt des Berichts stehen:

  • die soziale Lage der Bevölkerung,

  • die Entwicklung von Armut, Einkommen und Vermögen sowie

  • der Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Lebensbereichen wie Bildung, Wohnen, Gesundheit und gesellschaftlicher Teilhabe.

  Bild: Sparschwein Quelle: www.pixabay.de


Anhaltend hohe Armutsrisiken

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes galten im Jahr 2025 16,1 % der Bevölkerung als armutsgefährdet. Diese Menschen verfügten über weniger als 60 % des mittleren Einkommens. Berücksichtigt man zusätzlich materielle Entbehrungen und soziale Ausgrenzung (EU-Arope-Indikator), waren 21,2 % der Bevölkerung – rund 17,6 Millionen Menschen – von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.


Gegenüber dem Vorjahr blieb dieser Anteil nahezu konstant oder stieg leicht an. Der Bericht zeigt damit deutlich: Armut bleibt ein strukturelles Problem, das sich trotz wirtschaftlicher Stabilisierung nicht von selbst auflöst.

 

Hohe Einkommen ≠ geringe Armutsrisiken


Die Relevanz für Rangsdorf


Eine zentrale Aussage des Armutsberichts lautet: Armut ist relativ und stark von den regionalen Lebenshaltungskosten abhängig. Ein mittleres oder sogar überdurchschnittliches Einkommen schützt nicht automatisch vor Armutsrisiken, wenn Wohnen und Leben teuer sind.


Für Rangsdorf ist dieser Zusammenhang besonders relevant:

  • die Nähe zu Berlin führt zu hohen Bodenpreisen und Mieten,

  • der Neubau orientiert sich überwiegend am gehobenen Segment,

  • Bestandsmieten steigen durch Modernisierungen und energetische Sanierungen.


Die Folge ist, dass auch Haushalte mit formal mittleren Einkommen zunehmend unter Druck geraten. Wohnkostenanteile von 35–45 % des Einkommens sind keine Seltenheit. Gleichzeitig werden Wohngeld oder Bürgergeld häufig nicht beantragt, etwa aus Unkenntnis, Scham oder wegen formaler Ausschlussgründe. Der Armutsbericht beschreibt dieses Phänomen ausdrücklich als verdeckte Armut.


Steigende Wohnkosten werden dabei als einer der zentralen Treiber von Armut benannt – nicht nur in Großstädten, sondern zunehmend auch im suburbanen Raum.

 

Verdeckte Armut in gut situierten Kommunen

Der Bericht bestätigt, dass Armut sozial ungleich verteilt ist. Besonders betroffen sind unter anderem Alleinerziehende, ältere Menschen und Personen mit unsicheren Erwerbsbiografien. Diese Gruppen sind auch in Kommunen wie Rangsdorf relevant, in denen Armut selten offen sichtbar ist.

Alleinerziehende verfügen häufig über gute Bildungsabschlüsse, arbeiten jedoch aus Betreuungsgründen in Teilzeit. In Verbindung mit hohen Wohnkosten entsteht so ein Armutsrisiko trotz Erwerbstätigkeit. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und ein hoher sozialer Vergleichsdruck verstärken diese Situation zusätzlich.

Auch ältere Menschen sind betroffen. Wohneigentum schützt nicht automatisch vor Armut. Geringe Renten – insbesondere bei Frauen –, steigende Energie- und Instandhaltungskosten sowie eingeschränkte Mobilität führen häufig zu finanziellen und sozialen Einschränkungen, ohne dass ein formaler Anspruch auf Grundsicherung besteht. Der Armutsbericht spricht hier von materieller Deprivation trotz formaler Absicherung.

 

Bildung schützt – aber nicht automatisch

Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass hohe Bildungsabschlüsse soziale Risiken ausschließen. Der Armutsbericht zeigt jedoch, dass Bildung zwar Risiken senkt, sie aber nicht aufhebt.

Für Rangsdorf bedeutet das:

  • viele gut ausgebildete Erwerbstätige,

  • zugleich aber Teilzeitbeschäftigung, Solo-Selbstständigkeit und unsichere Erwerbsbiografien,

  • hohe Pendelbelastungen sowie Care-Arbeit für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige.


Armut zeigt sich hier weniger als vollständiger Einkommensmangel, sondern als Verzicht – etwa auf Kultur, Mobilität, Vereinsleben oder Rücklagen. Diese Form der stillen Armut nimmt laut Bericht zu.

 

Alter(n) in Rangsdorf: Wohlstand mit Bruchstellen

Wie viele Brandenburger Kommunen altert auch Rangsdorf. Der Armutsbericht betont, dass Altersarmut regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist und sich häufig erst spät zeigt, etwa bei Pflegebedürftigkeit, steigenden Energiepreisen oder dem Wegfall eines Partners.

In der kommunalen Praxis bedeutet das:

  • Eigenheim vorhanden, aber hohe laufende Kosten,

  • energetisch sanierungsbedürftige Gebäude,

  • eingeschränkte Mobilität und zunehmende soziale Isolation.

Wohlstand kann hier schnell in soziale Verwundbarkeit übergehen, ohne statistisch sofort sichtbar zu sein.

 

Bedeutung für die kommunale Sozialpolitik

Der Siebte Armuts- und Reichtumsbericht zeigt deutlich:Rangsdorf ist keine klassische Armutsregion, weist jedoch verdeckte soziale Risiken auf.

Diese äußern sich insbesondere durch:

  • hohe Wohnkosten und steigende Mieten,

  • Armutsrisiken trotz Erwerbstätigkeit,

  • Altersarmut ohne Leistungsbezug,

  • Verzicht statt offen sichtbarer Armut.


Der Bericht macht klar:


Gerade in scheinbar wohlhabenden Kommunen ist eine vorausschauende und niedrigschwellige Sozialpolitik notwendig, um soziale Spaltung frühzeitig zu erkennen und ihr entgegenzuwirken. Er liefert damit eine wichtige fachliche Grundlage für die Arbeit des Sozialausschusses und für zukünftige kommunalpolitische Entscheidungen.

 
 
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