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Wenn der Personalschlüssel nicht reicht

  • 27. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Notbetreuung in Brandenburg – ein Problem für Kinder und Familien


Der Kitapersonalschlüssel in Brandenburg ist eine reine Rechenzahl. Krankheit, Urlaub, Fortbildung und Leitungszeiten sind darin bereits eingerechnet. Was er nicht zeigt: Wie viele Fachkräfte wirklich gleichzeitig mit den Kindern im Gruppenraum stehen. Genau hier liegt das Problem.


Realität in Brandenburgs Kitas


Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg verweist auf Verbesserungen, doch vor Ort berichten Kitas:

  • Personal ist dauerhaft knapp

  • Es gibt kaum Vertretungsreserven

  • Schon kleine Ausfälle führen zu Einschränkungen

  • Langzeitkranke können oft nicht ersetzt werden


Folge: Notbetreuung wird zur Regel.

Quellennachweis: www.pixabay.de bearbeitet mit Canva durch Melanie Evans-Eichhorst


Gründe für Notbetreuung


1. Hohes InfektionsrisikoFachkräfte stehen in engem Kontakt mit vielen Kindern: Wickeln, Trösten, Spielen. Infektwellen im Herbst und Winter sind normal. Krankmeldungen häufen sich.

2. FachkräftemangelOffene Stellen bleiben unbesetzt, Fachkräfte gehen in Rente, Nachwuchs fehlt. Jede Ausfallstunde führt sofort zu Einschränkungen.

3. Hohe BelastungBildungsauftrag, Inklusion, Dokumentation, Lärm und Stress erhöhen Krankheitsrisiken – ein Teufelskreis.

4. Personalschlüssel nur StatistikAusfälle sind eingerechnet, echte Puffer fehlen. Fehlen mehrere Fachkräfte, bleibt nur Notbetreuung.


Zwei Fachkräfte für 60 Kinder – keine Lösung


Wenn Gruppen zusammengelegt werden, steigt das Risiko dramatisch:

  • Keine individuelle Förderung: Beobachtung, Beziehung, Förderung unmöglich

  • Sicherheitsrisiko: Zwei Erwachsene können 60 Kinder nicht im Blick behalten

  • Überlastung der Fachkräfte: Stress, Krankheitsrisiko, weitere Ausfälle

Notbetreuung ist kein pädagogisches Konzept, sondern ein Krisenmodus.


Notbetreuung trifft besonders die Familien


Neben den pädagogischen Folgen hat Notbetreuung massive Auswirkungen auf Eltern – insbesondere auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wenn Betreuungszeiten kurzfristig reduziert oder Gruppen geschlossen werden:

  • müssen Eltern spontan Arbeitszeiten kürzen

  • werden Urlaubstage aufgebraucht

  • entstehen Verdienstausfälle

  • geraten berufliche Verpflichtungen unter Druck


Besonders betroffen sind:

  • Alleinerziehende

  • Familien ohne Großeltern im Umfeld

  • Eltern in systemrelevanten oder unflexiblen Berufen

  • Teilzeitbeschäftigte mit ohnehin geringem Einkommen


Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Reduzierte Betreuungszeiten werden später nicht nachgeholt oder ausgeglichen. Eltern verlieren Arbeitszeit und Einkommen, ohne dass die ausgefallene Betreuung kompensiert wird.


Langfristig kann das zu:

  • Karriereeinbußen

  • geringeren Rentenansprüchen

  • wirtschaftlicher Unsicherheit

  • ungleicher gesellschaftlicher Teilhabe

führen. Familien tragen somit die strukturellen Defizite des Systems mit – obwohl sie auf verlässliche Betreuung angewiesen sind.


Was jetzt notwendig wäre


Realistische PersonalschlüsselMit tatsächlicher Anwesenheitssicherung.

Feste VertretungspoolsRegionale Springerkräfte, die kurzfristig einspringen können.

Entlastung der Familien

  • transparente Notfallpläne

  • verlässliche Mindestbetreuungszeiten

  • politische Anerkennung der Vereinbarkeitsproblematik



Beispiel Rangsdorf: 


2015 beschloss die Gemeindevertretung eine Überschreitung des gesetzlichen Personalschlüssels um 7 % (BV 2015/252). Im Juni 2026 wurde diese zusätzliche Ausstattung auf Antrag der SPD/Grünen gekürzt – die ohnehin geringe Personalreserve entfiel.



Fazit


Notbetreuung ist kein individuelles Versagen, sondern ein systemisches Problem. Die Leidtragenden sind:

  • Kinder, die nicht optimal gefördert werden

  • Familien, die beruflich und wirtschaftlich benachteiligt werden


Kitas brauchen reale Präsenz, echte Personalreserven und ein System, das Kinder und Familien stärkt – statt sie zusätzlich zu belasten.

 
 
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